„Hätte ich Erdmannsdorff nicht zur Seite gehabt, der mich immer wieder ermunterte und anfrischte, (…), so würde ich vieles gar nicht begonnen, anderes liegen gelassen haben. (…), ihm verdankt das Land die Ausführung und Vollendung meist alles dessen, was da ist und den Leuten Freude macht.“ So äußerte sich Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau über seinen Architekten, Berater und Freund Friedrich Wilhelm Freiherr von Erdmannsdorff. Er war ein deutscher Architekt und Architekturtheoretiker in der Zeit der Aufklärung, dem eine künstlerische Karriere keineswegs vorbestimmt war. Doch den Fürsten und Erdmannsdorff verband von Anfang an eine ähnliche Wesensart, welche zu besonderem Erfolg führte. Im Wörlitzer Park und in der Stadt Wörlitz befinden sich viele von Erdmannsdorff geplanten Gebäude, die zum UNESCO-Welterbe gehören – z. B. das Schloss Wörlitz, das Gotische Haus und das Rathaus. Wandeln Sie auf den Spuren des bedeutendsten Vertreters des deutschen Frühklassizismus.

Fast 60 Jahre lang regierte Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817). Während seiner Regentschaft gelangen ihm zahlreiche Reformen, Lebensverbesserungsmaßnahmen und Landesverschönerungen. So führte er unter anderem ab 1765 in Wörlitz Hausnummern ein, was in unserer Gegend damals unbekannt war. Die historische Nummerierung ist bis heute im alten Stadtgebiet erhalten geblieben. Die Nr. 1 trägt das Haus gegenüber der Kirche St. Petri in der Kirchgasse. Auf einem Spaziergang entlang des Denkmalpfades in Wörlitz erfahren Sie Wissenswertes und auch Amüsantes zur Stadtgeschichte, zur Landwirtschaft, zur touristischen Entwicklung, zum Handwerk, zum religiösen Leben und zu den wichtigsten historischen Gebäuden in der Stadt.

Sieben Mal besuchte Johann Wolfgang von Goethe den Wörlitzer Park. Seine Bewunderung drückte der Dichterfürst in seinem Brief an Charlotte von Stein aus, in dem er 1778 aus Wörlitz schrieb: „Hier ist’s ietzt unendlich schön. Mich hat’s gestern Abend, wie wir durch die Seen, Kanäle und Wäldchen schlichen, sehr gerührt, wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben, einen Traum um sich herum zu schaffen. …“ Bei den Aufenthalten in Anhalt-Dessau – wobei er sowohl Interesse an der künstlerischen Ästhetik als auch der Politik hatte – begeisterten ihn im Besonderen die englischen Gärten und die modernen Bauten. Diese inspirierten ihn zu eigenen Werken, sodass Zeichnungen und Gedichte Goethes vom Gartenreich entstanden. Während eines Zeitraums von zwanzig Jahren erlebte er die Erfolge, die Niederlagen, den Mut und die Ausdauer des Fürsten Franz und seines genialen Baumeisters Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff. Folgen Sie den Spuren Goethes im Wörlitzer Park, lauschen Sie seinen Gedichten und Geschichten inmitten dieser einzigartigen Gartenanlage.

„Hier ist’s jetzt unendlich schön. Mich hat’s gestern Abend, wie wir durch die Seen, Kanäle und Wäldchen schlichen, sehr gerührt, wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben, einen Traum um sich herum zu schaffen …“

Goethes Zeilen an Frau von Stein (1778) fassen in Worte, was nahezu unbeschreiblich ist. Erleben Sie die besondere Atmosphäre des Wörlitzer Parks während einer Gondelrundfahrt über die Seen und durch die Kanäle, wie sie schon Fürst Franz genoss.

Während Sie in der Gondel sitzend über das Wasser gleiten, ziehen wechselnde Sichtachsen, malerische Gartenbilder und schöne Brücken die Aufmerksamkeit auf sich.

Die Insel Stein am östlichen Ausläufer des Wörlitzer Sees ist mit dem ältesten künstlichen Vulkan Europas ein besonders spektakuläres Denkmal im UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz. Mit der Vesuvnachbildung, der klassizistischen Villa Hamilton und einem antikisierenden Theater entführt sie ihre Gäste nach Süditalien.

Die Insel Stein ist von 1788 bis 1794 im Auftrag des Fürsten Franz als Reiseerinnerung nach dem Besuch in Neapel entstanden. Hier vermittelte er seinen Untertaninnen und Untertanen, für die das Reisen in andere Länder fast unmöglich war, eine Vorstellung von der Gegend am Fuße des Vesuvs. Die neapolitanische Topographie, die zeitgenössische italienische Architektur und sogar die dortige Vegetation, nachempfunden durch die Anpflanzung von Feigen und lombardischen Pappeln und die Aufstellung von Agaven, sollten en miniature dargestellt werden.

Die Villa Hamilton gilt als ein Freundschaftsmonument für den britischen Diplomaten, Antikensammler und Geologen Sir William Hamilton (1731–1803), den der Fürst 1766 in Neapel kennen- und schätzengelernt hatte. Gemeinsam waren sie auf den Vesuv gestiegen. Im Inneren der Villa befinden sich drei reich ausgestattete Räume, die an die Grand Tour des Fürsten durch Italien erinnern. Die Villa Hamilton ist ein Meisterwerk des Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff. Sie zählt gewiss zu den reizvollsten klassizistischen Bauwerken in Deutschland.

Wenn Sie Wörlitz besuchen, dann erleben Sie eine Weltreise en miniature. Dass Fürst Franz sein Herz auf „Grand Tour“ insbesondere an Italien verloren hatte, wird an verschiedenen Details deutlich: Denn nicht nur die Gondeln in den Kanälen wecken Erinnerungen an Venedig. Weithin sichtbar zeichnet sich der Krater des Wörlitzer „Vesuv“ am östlichen Rand des Wörlitzer Sees ab. Erreicht man die wildromantische Insel Stein mit einem antiken Theater und der Kopie eines zeitgenössischen italienischen Landhauses am Fuße des Vulkans, wird man von einer Vegetation aus lombardischen Pappeln und Agaven, Weinreben und Feigenbäumen umfangen. Da fliegen die Gedanken unwillkürlich an den Golf von Neapel.

Reisen Sie mit uns für einen Tag nach bella italia und lernen Sie die italienische Seite des Wörlitzer Parks kennen.

Der Wörlitzer Park bildet den Auftakt und den ästhetischen Höhepunkt eines einmaligen Programms zur Landesverschönerung und Lebensverbesserung, das Fürst Franz in seinem Ländchen erreichen wollte. Der Park gilt als Inbegriff der Aufklärung in Deutschland. Vorbildhaft ist auch die mit der Gestaltung verbundene Bildungsabsicht des Fürsten – Hauptgrund dafür, die Anlagen von Beginn an für jeden zu öffnen.

Gartenbilder und Architekturen, darunter ein Brückenbauprogramm, laden bis heute zu einer Welt- und Zeitreise en miniature ein. So wird mit den siebzehn schönen Wasserquerungen beispielsweise die Geschichte dieser Ingenieurskunst erzählt. Ob aus Holz, Stein oder Metall, ob hängend, schwimmend oder fest gebaut: Erleben Sie eine Demonstration der Brückenbaukunst von der Urform, der Furt, bis zur damals neusten Errungenschaft der industriellen Revolution – der eisernen Brücke (Iron Bridge in Westengland).

Das Gotische Haus stellt genau wie das Schloss Wörlitz zu seiner Entstehungszeit ein architektonisches Novum dar. Nicht nur der deutsche Klassizismus, sondern auch die Neugotik hat in Wörlitz ihren Ausgangspunkt. Das Haus birgt eine einmalige Sammlung mit herausragenden Glasgemälden vom ausgehenden 15. bis zum 17. Jahrhundert und besticht durch eine beeindruckende neugotische Ausstattung. Zu Lebzeiten des Fürsten Franz diente es ihm auch als Refugium.

Mit der Errichtung des Gotischen Hauses wurde 1773 begonnen. Heute gehört es zu den ältesten weitgehend original erhaltenen Architekturen der Neugotik in Europa.
Anfangs war das Gotische Haus als Wohnung für den Hofgärtner Schoch vorgesehen. Ab 1785 wurde es zunehmend für die Wohnzwecke des Fürsten Franz, insbesondere aber für seine verschiedenen Kunstsammlungen ausgebaut. Die Vergrößerungen und Umbauten werden in der reizvollen Vielgestaltigkeit sowie den Unregelmäßigkeiten im Äußeren und Inneren des Gebäudes sichtbar.

Inmitten des Schlossgartens befindet sich eines der berühmtesten Bauwerke der deutschen Baugeschichte. Das Wörlitzer Schloss wurde für Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau nach Entwürfen von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff errichtet. Von 1769 bis 1773 entstand der Sommersitz nach dem Vorbild englischer Landhäuser.

Schon vor 250 Jahren war dieses neuartige Haus nicht nur sehenswert, sondern überzeugte zudem durch seine moderne Funktionalität. Das schlichte Schloss war damals derart revolutionär, dass es heute noch in jedem Band über deutsche Baugeschichte abgebildet ist. Es handelt sich um das Erstlingsbauwerk des deutschen Klassizismus.

Die reiche Innenausstattung ist fast vollständig erhalten und spiegelt die Geisteshaltung, die Reisen und die Interessen seines Bauherren programmatisch wider. Hier finden sich antike Plastiken, italienische und niederländische Gemälde (u. a. Rubens) und englische Keramiken der berühmten Manufaktur von Josiah Wedgwood. Erdmannsdorff ließ zahlreiche Räume mit feinen Wandmalereien und Stuckaturen verzieren. Der erlesene Geschmack des Fürsten spiegelt sich zudem in dem speziell für das Haus entworfenen Interieur wider. Hierzu zählt auch ein Ensemble aus der berühmten Möbelwerkstatt von Abraham und David Roentgen.

Der Wörlitzer Park mit seinen klassizistischen und neugotischen Bauten gilt als ästhetischer Höhepunkt des Gartenreiches Dessau-Wörlitz. Ab 1765 wurde mit ihm der erste englische Landschaftspark auf dem europäischen Kontinent errichtet. Um den vierarmigen Wörlitzer See ordnen sich fünf Gartenteile, welche durch ein wohldurchdachtes System von Wegen, Kanälen, Brücken, Fähren und Sichtbeziehungen miteinander korrespondieren. Zahlreiche Bauwerke, Plastiken und Gehölzpflanzungen bilden Ausgangs- und Endpunkte dieser Sichtachsen, die weit in die Landschaft hinausgehen.